Mit Libellen dem Klimawandel auf der Spur

von Rassim Khelifa, PhD Student in Ökologie

 
Libellen zeichnen sich nicht nur durch atemberaubende Farben und beeindruckende Flugfähigkeiten aus, sondern sind auch geeignete Studienorganismen, um wichtige Fragen der Evolution und Ökologie zu beantworten. Libellen werden in der wissenschaftlichen Forschung häufig untersucht, weil sie
 
• ein auffälliges Erscheinungsbild haben und im Feld leicht zu identifizieren sind.
 
• weit verbreitet sind und auf allen Kontinenten – mit Ausnahme der Antarktis – vorkommen. Dies ermöglicht die Durchführung gross angelegter Studien über ihren Lebenszyklus und Anpassungen an die lokale Umwelt.
 
• aufgrund ihres komplexen Lebenszyklus wichtige Vertreter ihrer jeweiligen trophischen Stufe (Position in der Nahrungskette) sowohl im Land- als auch Wasserlebensraums sind.
 
• ektotherme «Kaltblüter» sind, deren Physiologie stark von der Aussentemperatur abhängig ist. Dies erlaubt es Forschenden, die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf ihren Lebenszyklus und die räumliche und zeitliche Verteilung zu erfassen.
 
Es konnte bereits nachgewiesen werden, dass die jüngste globale Erwärmung dazu führte, dass bestimmte Libellenarten früher im Jahr als bisher auftraten, da die höheren Temperaturen ihre Entwicklungszeit verkürzten. Eine weitere Folge des Klimawandels ist die Verschiebung der Verbreitung vieler Arten in nördliche und höher gelegene, kühlere Gebiete. Ein Trend, der bereits bei anderen Tieren und Pflanzen festgestellt wurde.
 
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Seedrache (Lindenia tetraphylla), Algerien. Credit: Rassim Khelifa

 

Viele der Daten, die zur Herleitung dieser Schlussfolgerungen verwendet wurden, wurden sowohl von der Wissenschaft als auch von Bürgerinnen und Bürgern gesammelt. Die Beteiligung von «citizen scientists» (Amateurforschenden) ist äusserst wertvoll und kann einen wesentlichen Beitrag zur Lösung der gegenwärtigen Umweltprobleme auf unserem Planeten leisten.

 

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Beprobung von Libellenlarven in einem Fluss entlang des Flusses Seybouse, Algerien. Credit: Rassim Khelifa